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Maschinen auf Augenhöhe – Ersetzt die KI bald den Menschen?

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Seit es Sci-Fi-Filme gibt, haben wir eine Vorstellung davon, wie künstliche Intelligenzen aussehen und agieren. Und je mehr die KI Forschung und Markt durchdringt, desto häufiger konfrontiert uns die Frage: "Werden wir bald ersetzt?". Darauf gibt es heute eine Antwort!

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Lesezeit: 10 Min

So manchen Traum großer Kinofilme möchten wir gerne wahr werden lassen. Den Brief nach Hogwarts erhalten, auf Pandora die unberührte Wildnis erkunden oder mit Captain Kirk und den Tribbles in der Galaxie schweben? – Das nehmen wir doch gerne! Aber erinnert ihr euch noch an die Androiden aus den Alien-Filmen? Die Vorstellung, solche Roboter könnten zu unserem Alltag gehören, finden einige wohl eher gruselig. Getarnt in Menschengestalt und teils als Waffen agierend, lebten sie mit der Crew auf dem Raumschiff. Und so manch ein Zuschauer ertappte sich vielleicht dabei, wie er mit dem “Tod” von Bishop eine Maschine beweinte. Kuriositäten beiseite, aber ernsthaft: Sind wir wirklich so leicht zu blenden und zu imitieren? Anders gefragt: Sieht so unsere Zukunft aus?

Die Frage nach dem Ersatz des Menschen durch Maschinen ist so alt wie die Industrialisierung selbst, doch mittlerweile ist sie ganz neu ausgerichtet. Wohl kaum einer denkt dabei noch an Hochleistungs-Apparaturen, die unliebsame Aufgaben wie Mülltrennung oder Stahlverarbeitung übernehmen. Das ist erleichternder Luxus, an den wir uns gewöhnt haben. Mit der rasanten Entwicklung von künstlichen Intelligenzen (KI), sind wir heute viel fokussierter auf die Befürchtung, es könnten Denkmaschinen entstehen, die uns ebenbürtig oder gar überlegen sind! Neben alten Ängsten wie Kontrollverlust oder Gefahr, wirft dies vor allem Ungewissheit auf.

Künstliche Intelligenzen könnten – so der weit verbreitete Grundgedanke – grundlegend die Arbeitskultur verändern. Zukunftsszenarien, in denen der Mensch – ersetzt durch KI-Maschinen – nicht mehr arbeitet, erfüllen viele nicht mit Erleichterung, sondern mit blanker Leere. Arbeit gehört zumindest in den Industriestaaten für viele Menschen zu den sinngebenden Elementen ihres Lebens. Dieses Denken ist so tief in uns verankert, dass wir in der KI oft nicht den Fortschritt sehen, sondern eine Bedrohung, die ganz neue ethische Frage nach sich zieht, wie z. B. “Werden wir vielleicht gar nicht mehr arbeiten?” und “Wozu werden wir dann noch gebraucht?”. Verständlich, denn die Rechtfertigung für das eigene Dasein und die Suche nach Lebensinhalt und -mission liegt uns Menschen genauso inne wie das Bedürfnis, etwas zu erschaffen. Mit Gedankenspiele dieser Art kann man sich in die Unendlichkeit steigern. Wie gestaltet die Politik das gesellschaftliche Leben inhaltlich und finanziell, wenn wir nicht arbeiten müssen? Unser gesamtes Finanz- und Bildungssystem fußt schließlich auf der Grundidee, dass jeder Mensch etwas lernt, in einem Job arbeitet und dafür Geld erhält, womit er konsumiert und abgesichert ist. Kurz gesagt: Unser Werdegang ist grob vorbestimmt. Aber kümmern wir uns dank künstlicher Intelligenz irgendwann komplett eigenständig um unsere Lebensmodelle? – Für den einen wohl pures Künstlertum und Freiheit, für die haltlosen Sicherheitsbedürftigen unter uns der blanke Horror.      

Bevor die Gedankenkette jedoch in philosophischer Ekstase eskaliert, sei gesagt, dass alle Ängste weitestgehend unbegründet sind, denn in der Realität ist die KI weit entfernt von den Absurditäten, die uns Hollywood in die Fantasie gepflanzt hat! Die meisten Arbeitsplätze sind nicht bedroht und erst recht nicht in naher Zukunft, denn die KI steckt nicht mehr in den Baby-, aber noch tief in den Kinderschuhen.

Künstliche Intelligenzen sind hochleistungsfähig, denn mit starker Fokussierung, Lösungsorientierung und unter Ausschluss behindernder Nebenaktionen und Gefühle, die unsere menschlichen Gehirne ausführen würden, sind sie präziser und schneller als ein Mensch. Der Haken an der Sache ist, dass sie das immer nur für eine bestimmte, vom Programmierer vordefinierte Aufgabe können. Sie erkennen und reagieren nicht unberechenbar, denken allumfassend oder geben kluge Ratschläge wie Roboter in einem Sci-Fi-Film, sondern stellen Lösungen bereit für eine ganz bestimmtes Problem, für das sie trainiert wurden. Sie sind streng genommen „Hochleistungs-Fachidioten“ mit Tunnelblick. Nachvollziehbar wird das, wenn man zum Beispiel Apples Sprachassistentin Siri nach ihrer ersten Jugendliebe oder ihren Eltern fragt. Die unfreiwillig lustigen Antworten sind das Resultat eines für den Nutzer problemfokussierten Algorithmuses und meist endgültig, sodass kein weiteres Gespräch möglich ist. (“Das weiß ich nicht.”, “Hier geht es um Dich.”) Du sollst mit Siri nicht persönliches plaudern, sondern alltägliche Problemchen schneller und bequemer meistern, z. B. die Suche nach einem Parkplatz oder das Finden eines Kochrezeptes. Beides wird sich Siri nicht einfach selbst ausdenken – sie versteht nichts vom Kochen und Parken. Sie wird die Informationen stattdessen über das Internet abrufen, denn ohne zugehörigen Datenpool funktioniert nicht einmal die schlagfertigste KI.  

Trotzdem scheint es mit der künstlichen Intelligenz unserer wichtigsten Grundsubstanz an den Kragen zu gehen – dem Denken! Der Grundsatz des Philosophen René Descartes lautete “Ich denke, also bin ich.” Für ihn bewies die Denkleistung eines Menschens die pure Existenz seines Geistes bzw. inneren Ichs. Könnte man einer KI dann nicht einfach alles menschenmögliche beibringen, sie randvoll mit Wissen und Aufgaben füttern und damit einen technischen Übermenschen erschaffen, der jeden ersetzen könnte? So simpel ist es leider – oder zum Glück nicht, denn das menschliche Gehirn kann mehr als nur Informationen abrufen und Probleme lösen und diese sind nicht adaptier- oder trainierbar. Gemeint sind zum einen Emotionen und Empathie, zum anderen die Vielfalt an Können und  Umdenken. Selbst Descartes berühmtester Satz bezog sich vor allem auf die Fähigkeit zum Zweifeln. Spontan alle Gedanken neu aufrollen, die Perspektive wechseln und über den Tellerrand blicken, das Bauchgefühl und das gesamtheitliche Überblicken des großen Ganzen –  all das kann die KI nicht. Sie besitzt vielleicht Sensoren für Reize und gespeicherte Reaktionen wie Siri, aber keine echte Intuition, Flexibilität und Leben. Sie hinterfragt nichts, reflektiert nicht ihr eigenes Tun oder besitzt ein Bewusstsein. Das mag alles stark nach Grönemeyers altem Hit-Schinken “Mensch” klingen, doch genau dies sind die signifikanten Punkte, die den Menschen enorm schwer ersetzbar machen. So schwer, dass vor allem in Asien versucht wird, multifunktionelle Roboter zu erschaffen, die menschliche Gefühle lesen und spiegeln – bisher eher eine Spielerei als glaubhaft. Sie reagieren teils erschreckend selbstständig, doch stoßen schnell an ihre Grenzen, denn ein Abbild wird nie ein feinfühliges Individuum sein; seine Konfrontation mit unbekannten Aufgaben führt zum Scheitern, unbekannte Reaktionen zu emotionalem Fehlverhalten.

So sind die KI’s eher als schnelle, talentierte Helfer für bestimmte Tätigkeiten zu verstehen, die grob unseren Denkmustern folgen, damit sie für uns funktionieren. Vielleicht passiert es eines Tages, dass ganze Berufe verloren gehen, aber das wird wohl nicht die Regel sein. Und schließlich bringt die Zukunft auch neue Berufsfelder mit sich. Aktuelle Studienzahlen, die mit Zukunftsprognosen für verlorene Arbeitsplätze jonglieren, berechnen nicht mit ein, dass die digitale Revolution auch stets neue Berufsfelder mit sich bringt – von einfach bis anspruchsvoll, von kreativ bis mathematisch. Der angepriesene Verlust ist also eher ein Wandel, dem es mutig gegenüber zu treten gilt.

Betrachten wir den Fortschritt somit optimistisch als Chance auf quantitative und qualitative Verbesserung der Lebenszeit. Wir haben die Zügel bzw. den Stromstecker schließlich fest in der Hand, das ist entscheidend.

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